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Dr. Wunder AG


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„Wer wie was wieso weshalb warum, wer nicht fragt, bleibt dumm“.

Die Mitglieder der Frl. Wunder AG waren schon als Kinder Streber_innen, schauten die „Sesamstrasse“ und haben gemeinsam die Hildesheimer Schule durchlaufen, wo sie die folgende Formel gelernt haben: Theatermachen = Theorie -> Praxis. Das prägt.

Am Ende des Studiums wollten wir unsere Entdeckerlust nicht aufgeben und uns auch nicht entscheiden, ob wir nun als Kulturwissenschaftler*innen, Theatermacher*innen oder Theatervermittler*innen arbeiten sollten.

Forschen und Theatermachen, Wissenschaft und künstlerische Praxis – das sind für die Frl. Wunder AG keine Gegensätze, sondern bilden vielmehr produktive Reibungspotenziale. Die Frl. Wunder AG hat einen spezifischen Recherche- und Forschungsansatz entwickelt, den wir als Künstlerische Feldforschungbezeichnen. Die Probenarbeit beginnt mit einer Recherche. Mit Kameras, Diktiergeräten und Notizblöcken bestückt agieren wir als Ethnograf*innen sozialer Felder und Gruppen (z.B. von Mensch-Tier-Verhältnissen in „Ein Bankett für Tiere“), als Biograf*innen unserer eigenen historischen Familiengeschichte und Wurzeln („Auf den Spuren von…“) oder als Soziolog_innen von gesellschaftspolitischen Themen der Jetzt-Zeit (zur Erschöpfung von Arbeiter_innen in „Gehenlassen“). Wir dokumentieren unsere Eindrücke, wir sammeln Erzählungen, Objekte, Atmosphären, wir lernen kulturelle Praxen, wir bilden Komplizenschaften mit Einzelpersonen und Initiativen. Nach diesem Prozess des Dokumentierens folgt die Auswertung: Was haben wir über das Thema herausgefunden und wie wollen wir einem Publikum unsere Erkenntnisse vermitteln? Und wie können wir eine Aufführungssituation schaffen, die den Forschungsprozess für das Publikum transparent macht und mit ihm zusammen fortführt?

Wenn wir uns dann als Performer*innen das recherchierte Material in den Proben körperlich und sprachlich aneignen, kommen zu den konzeptionellen und kulturwissenschaftlichen Forschungsfragen die künstlerischen hinzu. In der Probenarbeit bewegen wir uns im Spannungsfeld von angeeignetem (Erfahrungs-)Wissen und der Offenheit der theatralen Übersetzung. Was wir schlussendlich präsentieren, ist das Ergebnis eines kollektiven und offenen Suchprozesses, der mit einer Frage seinen Ausgangspunkt nahm: Sag mal, wo sind alle Tiere aus den Tierfilmen hin? Sind nicht alle unsere Familiengeschichten Flüchtlingsgeschichten? Oder welche Arbeit erschöpft dich? Unsere künstlerische Forschung in der Frl. Wunder AG reflektieren wir wiederum in wissenschaftlichen Kontexten, in denen viele von uns als Doktorand*innen, Dozent*innen oder Mitarbeiter*innen von Hochschulen tätig sind.


Gossip aus der Dr. Wunder AG


AG Anne promoviert derzeit über „das Politische in der zeitgenössischen Theaterpraxis“ und hat Interviews mit unseren Vorbildern She She Pop, Turbo Pascal und der Neuen Dringlichkeit geführt.

Malte schreibt seine Promotion über Künstlerische Feldforschung als theaterpädagogischen Ansatz und hat durch sein Handbuch für Darstellendes Spiel uns zum Gegenstand von Abiturarbeiten gemacht.

Marleens Masterprojekt befasst sich mit der kulturellen Praxis der Verschleierung.

Melanie veranstaltete im Oktober 2016 eine Labortagung an der FH Dortmund zum Thema „Forschendes Theater in Sozialen Feldern“.


DOWNLOADS

Vanessa Lutz
Theater und Migration (über den Prozess von „Auf den Spuren von…)

Marleen Wolter
Recherche im Kontext interkultureller Koproduktionen (über den Prozess von „msonkano.de/begegnungen.mw)

Melanie Hinz
Künstlerische Feldforschung (Vortrag, Wolfsburg 2014)

Melanie Hinz
Nachahmung auf Probe (aus: Hinz/Roselt (Hg.): Chaos und Konzept, Berlin 2011)

Marleen Wolter
Der Schleier als Instrument eines experimentellen Ansatzes für postkoloniale Mimikry

Die Fräulein Wunder AG wird gefördert durch die Konzeptionsförderung des Landes Niedersachsen. OB_brief_ticket